Beuys‘ ‚Soziale Plastik‘

Sehenswert: Die Ausstellung ‚Beuys Brok Vostell‘ im ZKM Karlsruhe. Da gibt es Allmachtssätze von Beuys, bei denen man nur das Wort Kunst durch Krieg ersetzen muss um bei den faschistischen Kriegshetzern des Futurismus Anfang des letzten Jahrhunderts zu landen (also bei Marinetti und Co). Natürlich sind uns Kunsthetzer lieber als Kriegshetzer. Aber die Allmachtsfantasie ist die Gleiche. Und da Beuys die ‚Soziale Plastik‘ als gesellschaftsgestaltendes Gesamtkunstwerk aller Menschen einer Gesellschaft versteht (sind ja alles Künstler), gerät er natürlich in die Nähe totalitären Denkens.

Genau dies hat ihm Bazon Brok in einem Gespräch 1983, das auf der Ausstellung als Video gezeigt wird, vorgehalten. Broks (wie kennen ihn von der Reihe ‚der professionalisierte Bürger‘ an der HfG) hat zugespitzt fest gestellt, dass auch Hitler eine soziale Plastik erstellen wollte. Beuys schien mir leicht überfordert von den Argumenten Broks. Das Kernargument Broks, dass eine ganzheitliche soziale Plastik bei der von Beuys vorausgesetzten individuellen Freiheit und Kreativität bestenfalls ein Kessel Buntes ergeben könne, hat Beuys nicht begriffen. Aber immerhin, er ist, wenn auch intellektuell etwas schmalbrüstig, sehr selbstbewusst aufgetreten und hat sich als Jünger Rudolf Steiners geoutet, der – so meine Meinung – Kunst mit Wissenschaft verwechselt hat. Darin hatte Steiner natürlich in Goethe eine großes Vorbild. Nur goethesche Wissenschaft gibt es nicht mehr. In der Kunst indessen könnten wir mehr gebrauchen von der goetheschen Idee des Erkennens von Gestalten in/hinter den Oberflächen des Seins.  

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