Adorno

„Das Einheit stiftende Prinzip eines jeden Kunstwerks ist der Rationalität entlehnt, deren Totalitätsanspruch das Kunstwerk Einhalt gebieten muss.“ (Adorno)

Das Einheit stiftende Prinzip eines jeden Kunstwerks ist die jeweilige Gestimmtheit des Künstlers. Sie ist zugleich Moment der gesellschaftlichen Totalität und muss doch um ihrer Authentizität willen über diese Hinausweisen. Ihr Mittel heißt: Zerstören – auch der eigenen Identität – und Aufbauen. (Soweit meine eigenen Erfahrungen mit dem Schreiben.)

Aufmerksamkeit verdient die ‚Gestimmtheit‘ beider Aussagen. Diese Gestimmtheit ist antagonistisch. Ohne die ihr innewohnende Dramatik bleibt, was sowieso jeder weiß: Das Subjektive, Individuelle befindet sich in Wechselwirkung und Interaktion mit dem Objektiven, der Gesellschaft. Diese Beziehung reicht in die psychophysischen Tiefen des Individuums und seiner subjektiven Regungen ebenso hinein wie hinauf zu den Höhen der institutionellen Strukturen der Gesellschaft.

Die Dramatisierung dieser Beziehung durch Übertreibung ist das Lebenselixier von Kunst und Philosophie.

Sollte diese Dramatisierung nicht auch die Politik bestimmen? Fehlt es der Politik an dramaturgischer Inspiration, ist sie nicht künstlerisch genug? Lässt sie sich einlullen durch diese gesamtgesellschaftliche, gewissermaßen totale ‚uns geht-es-gut-Gestimmtheit‘? Wobei das ‚uns‘ bei genauem Hinsehen natürlich nationalistisch ist, denn unseren europäischen Freunden geht es überwiegend gar nicht gut.

Was kann man machen, wenn die politischen Eliten sich auf reale gesellschaftliche Antagonismen nicht einlassen wollen, wenn sie also vor allem den Kampf gegen unsere Finanzoligarchen verweigern? Na eben: Zerstören und Aufbauen, Kunst und Philosophie.

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