Thomas Mann

Wie oft habe ich ihn schon gelesen, den ‚Zauberberg‘? Ich zähle es nicht, ich lese ihn noch einmal, das heißt, ich habe damit begonnen. Ausgesprochen deutlich wird mir diesmal der karikaturistische Impuls, der bei der Gestaltung der Figuren wirksam ist. Ja, nicht nur der Figuren – nein der Sphäre des Geistigen selbst. Zitat aus dem Zauberberg: ‚… der durchbohrt sein sollte von soviel Bedeutung…‘. Und die gemurmelte Antwort des Durchbohrten: ‚Latini, Carducci, Ratzi-Mausi-Falli, laß mich in Frieden.‘ Weiterlesen

Literaturtage Karlsruhe

„Kunst ist Scheitern – Über Kunst kann man nicht reden, man kann sie nur machen – Kunst braucht ein Koordinatensystem, um nicht beliebig zu sein – Jeder kann zum Star werden – Kunst gibt es nur in der Subkultur, denn der Künstler ist selbst die Kunst.“

Das sind die Thesen, über die ein kleines Künstlervölkchen mit dem Publikum im PrinzMaxPalais, Karlstr. 10 am 05. Oktober 2014 um 20:00 Uhr in Karlsruhe plaudern möchte. Die Künstler flankieren die Thesen mit essayistischen und künstlerischen Texten sowie mit Musik und Bildern. Titel der Veranstaltung: Uferlose Kunst. Sie ist – das sage ich in aller Voreingenommenheit eines Akteurs – ein Highlight  im Rahmen der Literaturtage Karlsruhe. Das Programm ist einzusehen unter: www.Literaturtage-karlsruhe.de

Beuys‘ ‚Soziale Plastik‘

Sehenswert: Die Ausstellung ‚Beuys Brok Vostell‘ im ZKM Karlsruhe. Da gibt es Allmachtssätze von Beuys, bei denen man nur das Wort Kunst durch Krieg ersetzen muss um bei den faschistischen Kriegshetzern des Futurismus Anfang des letzten Jahrhunderts zu landen (also bei Marinetti und Co). Natürlich sind uns Kunsthetzer lieber als Kriegshetzer. Aber die Allmachtsfantasie ist die Gleiche. Und da Beuys die ‚Soziale Plastik‘ als gesellschaftsgestaltendes Gesamtkunstwerk aller Menschen einer Gesellschaft versteht (sind ja alles Künstler), gerät er natürlich in die Nähe totalitären Denkens. Weiterlesen

Besuch bei einer Sekte?

Vor wenigen Tagen war ich bei einem Vortrag in der Kunstakademie über den Künstler Manzoni. Das ist der, der seinen Atem in einen Balon blies und dieses Artefakt dann als Künstleratem, als greifbare Inspiration, vermarktete. Seine Exkremente hat er in Blechdosen verpackt und ebenfalls als Kunstwerk etikettiert. exponiert. Durch dieses Spiel aus Verhüllen und Enthüllen soll das Kunstwerk – gewissermaßen als Stoffwechselprodukt, die Kunst ist – im Kopf des Betrachters entstehen.

Der Balon mit dem Künstleratem wurde gekauft und ist inzwischen zerfallen. Die Brösel hat der Käufer in einen Behälter gefüllt und hält auch dieses Zerfallsprodukt für Kunst. Die Kunsteliten diskutieren nun darüber, ob dieses Kunstwerk noch authentisch ist.

Ich finde, es ist schon ganz große Kunst, so etwas zu diskutieren. Ich finde auch, die Sphäre der Kunst ist selber die Kunst, welche sich die Gesellschaft leistet. Die Besiedelung und Möblierung dieser Sphäre scheint mir zweitrangig zu sein. Also: Schön, dass es so etwas wie Kunst gibt!

Künstlerroman ‚Die Finissage‘

VLUU L110, M110 / Samsung L110, M110

Künstlerroman – Projekt

Für meinen in Arbeit befindlichen Künstlerroman (inzwischen erschienen unter dem Titel ‚Kunst oder das Brummen des rentierweibchens‘ in Lindemanns Bibliothek) musste ich das nebenstehende Bild von Max Ernst interpretieren. so sieht die Interpretation aus:

‚Das Bild zeigt den athletischen Körper eines Mannes, der aus einer raschen Bewegung heraus plötzlich inne zu halten scheint. Das linke, nach hinten gestellte Bein stützt den leicht nach rechts geneigten Körper ab, der rechte, ausgestreckte Arm deutet schräg nach oben. Der Kopf des Mannes wird dargestellt durch einen Fantasievogel mit langen Fühlern – vielleicht doch Anspielung auf ein Insekt, eine Motte, die ins Licht strebt? Die Konfiguration hat nahezu eine tänzerische Anmutung. Und sie birgt Rätsel, die nach Lösung drängen: Was bedeutet das Insekt an der Stelle, an der wir den Kopf erwarten? Was bedeutet die andere kleine Figur, die da frei schwingt und nur andeutungsweise an der Hand des ausgestreckten Armes hängt? Will sie den Arm nach unten ziehen? Warum führt der Athlet einen Golfschläger locker mit sich?  Weiterlesen

Badisches Staatstheater – Cloture De L’Amour

‚Ende einer  Liebe‘ ist ein intensives Theaterstück von Pascal Rambert. Es ist komponiert aus zwei fulminanten Monologen. Untergründig geht es m. E. um die Frage, ob eine Liebe, die sich erschöpft hat, von Beginn an unwahr, unecht, oberflächlich war. Dies bejaht der Mann in seinem Monolog. Oder ob sie trotz ihrer Vergänglichkeit ein großes Gefühl, ein wahrhaftes Gefühl war. Diese Position vertritt in ihrem Monolog die Frau, die der Mann verlassen hat. Die streckenweise in aggressiver lyrischer Prosa geführten Monologe werden körpersprachlich extensiv unterstützt. 

Ich ergreife natürlich Partei für die Frau – es bliebe ja sonst nicht viel Wahres, weder in der Liebe noch in der Kunst noch sonst wo. Mein Fazit aus diesem starken Theaterabend: Alles Große, Wahre ist zeitlich. ‚Ewig‘ sind nur die Phrasen.

Wahre Schönheit – was ist das?

Kürzlich habe ich irgendwo gehört, als ‚schön‘ empfinde der Mensch ein Gesicht, das aus Überlagerung vieler Gesichter, sozusagen als Durchschnitt, gewonnen wird. Dabei handelt es sich m. E. aber genau um die Art Schönheit, die Ästheten als ‚absolut‘ und deshalb als ‚tot‘ zu bezeichnen pflegen. Lebendige Schönheit zeichnet sich demgegenüber dadurch aus, dass sie vom Durchschnitt abweicht. Das tun aber auch Gesichter, die wir gemeinhin nicht als schön empfinden. Also, wie weicht lebendige Schönheit ab vom toten Ideal? Weiterlesen

Adorno

„Das Einheit stiftende Prinzip eines jeden Kunstwerks ist der Rationalität entlehnt, deren Totalitätsanspruch das Kunstwerk Einhalt gebieten muss.“ (Adorno)

Das Einheit stiftende Prinzip eines jeden Kunstwerks ist die jeweilige Gestimmtheit des Künstlers. Sie ist zugleich Moment der gesellschaftlichen Totalität und muss doch um ihrer Authentizität willen über diese Hinausweisen. Ihr Mittel heißt: Zerstören – auch der eigenen Identität – und Aufbauen. (Soweit meine eigenen Erfahrungen mit dem Schreiben.)

Aufmerksamkeit verdient die ‚Gestimmtheit‘ beider Aussagen. Weiterlesen

Notizen zur Kunst

Ich blättere in alten Notizen zu Besuchen in Kunstveranstaltungen. Wie alt sind sie? Das weiß ich nicht. Jedenfalls wirken sie eigenartig auf mich – so aus dem Zusammenhang der Veranstaltungen gerissen. Das macht sie mir auch reizvoll. Ich zitiere einfach – ganz ohne aktuelle Kommentierung, ganz ohne Ordnung:

Die Geläufigkeit des Kampfes muss durchbrochen werden – sich fallen lassen. Gott ist schön. Weiterlesen

Putinversther – Kunstversteher

Es gibt zahlreiche Putinversteher. ich gehöre auch dazu. Das ist nicht schwer. Die Nato will Russland zur Regionalmacht machen: Raus aus dem Mittelmeer, d. h. der Krim, und mit Raketenabwehr als Atommacht neutralisieren. Ich bin für eine multipolare Welt. Das ist auch für uns ‚Gute‘ besser. Selbstmisstrauen schadet nicht.

Kunst verstehen ist schwieriger…. Weiterlesen